Wenn die Einsamkeit zuviel wird

Seitdem Österreich wieder im Lockdown ist, sehe ich gefühlt mehr Posts und Artikel über das Thema Einsamkeit. Die Wortmeldungen und das Aufmerksam machen passiert auf jeden Fall zu Recht. Es ist gut und wichtig, daran zu denken, eine Freundin, ein Familienmitglied oder den Bekannten, die Nachbarn oder die Arbeitskollegin, die sich vielleicht einsam fühlt anzurufen. Eine liebe Nachricht zu schreiben. Kurz Hallo-sagen oder gemeinsam einen Tee trinken. Unseren Mitmenschen einfach zuhören und mit ihnen Zeit zu verbringen. Diese ganz einfachen menschlichen Handlungen gerade jetzt nicht zu vergessen, kann für uns alle einen möglicherweise einsamen in einen freudigen Tag verwandeln. Und sei es nur ein Moment, in dem die Augen leuchten. Wir sind alle hier und jetzt mit ähnlichen äußerlichen Rahmenbedingungen und versuchen mit der Situation umzugehen. 

 

Was können wir selbst tun, wenn das Gefühl der Einsamkeit sehr stark wird?

 

Ein anderer Aspekt ist, dass wir eventuell hohe Erwartungen haben, wie unser Leben auch in Bezug auf das Thema Einsamkeit sein sollte. Ich war vor vielen Jahren nach einer Krisensituation in meinem Leben in Gesprächstherapie und in einer Sitzung kam das Thema auf, dass ich mich einsam fühlte. Ich beobachtete Menschen um mich herum, die scheinbar ständig Verabredungen hatten, sich mit Freunden trafen und in Kontakt mit vielen anderen waren. Ich hatte mir ein sehr schönes Bild davon gezimmert, wie es sein sollte und fühlte, wie groß der Unterschied zu meiner Realität war. Ich schmückte jedes Detail aus und dachte viel darüber nach. Der Effekt war, dass das Problem in meinem Kopf immer größer und schwerer wurde. Je mehr ich mich hinein steigerte, desto stärker fühlte ich die Einsamkeit und wurde immer trauriger. Ich ging gedanklich voll ins Drama und kam vom Sofa nicht mehr hoch. 

 

Worauf ich hinaus will ist, dass wir eventuell auf ein bestehendes Problem noch ganz viele Gedanken oben drauf packen. Erwartungen, Beurteilungen, Verurteilungen, Vergleiche und Schubladisieren. Unser Gehirn ist es gewohnt, das zu tun und ist schnell zur Hand, nur in diesem Fall nicht sehr hilfreich. Aus all dem entsteht ein Gedankensturm, der uns schmerzt und traurig werden lässt oder ein dichter Nebel, der uns nichts mehr sehen lässt. Das Tröstliche ist, dass jeder Gedankensturm vorbei geht, der Nebel sich lichtet und wir danach wieder klarer sehen und uns ruhiger fühlen. Wir können uns immer daran erinnern, dass über dem Nebel die Sonne scheint. Und so fällt uns vielleicht auch ein, was uns im Gefühl einsam zu sein helfen könnte, wenn wir aus dem Drama aussteigen.

 

Was hilft dir, wenn du dich einsam fühlst?